Weil ich’s gelernt habe | Handwerkskammer Frankfurt (Oder) Region Ostbrandenburg

Zu Besuch im Handwerk Weil ich’s gelernt habe

[vc_row][vc_column width=“2/3″][vc_column_text]30 JAHRE DEUTSCHE EINHEIT: DER EINIGUNGSVERTRAG WURDE AM 31. AUGUST 1990 GESCHLOSSEN ER VERÄNDERTE MILLIONEN LEBENSLÄUFE, SICHERTE DEN OSTDEUTSCHEN PERSPEKTIVEN UND VERLANGTE VON IHNEN ENORME ANPASSUNGSLEISTUNGEN. OHNE HANDWERKSBETRIEBE UND LEUTE MIT MUT FÜR DEN WEG IN DIE SELBSTSTÄNDIGKEIT WÄRE DIE VEREINIGUNG KEINE ERFOLGSGESCHICHTE GEWORDEN.[/vc_column_text][vc_single_image image=“114700″ img_size=“large“ add_caption=“yes“][vc_column_text]Monika Lange-Gohlke ist seit 1987 Friseurmeisterin. Mit gerade …

[vc_row][vc_column width=“2/3″][vc_column_text]30 JAHRE DEUTSCHE EINHEIT: DER EINIGUNGSVERTRAG WURDE AM 31. AUGUST 1990 GESCHLOSSEN ER VERÄNDERTE MILLIONEN LEBENSLÄUFE, SICHERTE DEN OSTDEUTSCHEN PERSPEKTIVEN UND VERLANGTE VON IHNEN ENORME ANPASSUNGSLEISTUNGEN. OHNE HANDWERKSBETRIEBE UND LEUTE MIT MUT FÜR DEN WEG IN DIE SELBSTSTÄNDIGKEIT WÄRE DIE VEREINIGUNG KEINE ERFOLGSGESCHICHTE GEWORDEN.[/vc_column_text][vc_single_image image=“114700″ img_size=“large“ add_caption=“yes“][vc_column_text]Monika Lange-Gohlke ist seit 1987 Friseurmeisterin. Mit gerade einmal 19 Jahren war sie die jüngste Friseurausbilderin in der DDR. Im Jahr der Wende machte sie sich selbstständig.

DHB: Wann begannen Sie eigentlich von Fön und Schere zu träumen?

Monika Lange-Gohlke (lacht laut): In der 7. Klasse sollten wir einen Aufsatz schreiben. Über unsere drei Lieblingsberufe. Meine Mutter sah mich als Krankenschwester…

DHB: Und, was haben Sie geschrieben?

Monika Lange-Gohlke: Friseurin! Friseurin! Friseurin! Die Lehrerin schimpfte, ich hätte die Aufgabe nicht verstanden. Ich antwortete: Doch. Aber ich glaube, sie haben mich nicht richtig verstanden!

DHB: War es einfach, in der DDR eine Lehrstelle als Friseurin zu bekommen?

Monika Lange-Gohlke: Ich lebte damals in Magdeburg. Als ich meine Unterlagen abgab, verschwand die Dame hinter dem Schreibtisch hinter acht Stapeln Bewerbungen. Und das, obwohl es überhaupt nur 25 Ausbildungsplätze gab. Und wissen Sie, mit welchem Notendurchschnitt man überhaupt nur auf diesen Stapeln landete – mit 1,4!

DHB: Bei Ihnen stimmte wahrscheinlich der Spruch noch: Lehrjahre sind keine Herrenjahre…

Monika Lange-Gohlke: Ich hatte Glück und kam nicht in eine PGH zur Ausbildung, sondern in einen privat geführten Salon. Mein Lehrmeister sagte zu mir: Aus dir wird nie eine gute Friseurin. Wissen Sie warum? Weil ich mich nie schnitt. Du übst solange, bis dir die Hände bluten. Und als ich mich das erste Mal wirklich schnitt, rannte ich ganz aufgeregt durch den Salon und rief: Ich habe mich endlich geschnitten! Ich hatte mit 18 ausgelernt, kam in eine PGH mit 10 Salons. Meine erste Aufgabe: die Chefin frisieren. Die machte mich quasi über Nacht zur Lehrausbilderin.

DHB: Wie denn das?

Monika Lange-Gohlke: Die Ausbilderin der PGH war von einem Westbesuch nicht zurückgekehrt. Und meine Chefin muss von mir so beeindruckt gewesen sein, dass sie mich sofort als kommissarische Berufsausbilderin einsetzte und parallel zur Meisterschule und zu einem Pädagogik-Fernstudium geschickt. Das war nicht einfach, denn oft war ich nicht viel älter als meine Lehrlinge.   Bis heute habe ich etwa 100 Lehrlinge ausgebildet.

DHB: Sie wollten sich schon vor der Wende selbstständig machen?

Monika Lange-Gohlke: Das ging nur, wenn irgendwo ein Salon aufgegeben wurde. 1988 kündigte ich und tourte durch die DDR. In Boitzenburg stieß ich dann auf den Salon, in dem ich heute noch arbeite. Die Leute freuten sich wie Bolle, dass sie endlich wieder eine Friseurin bekommen sollten. Und weil ich kein Auto hatte, kümmerte sich der Bürgermeister sogar persönlich sogar um die Saloneinrichtung. Im Februar 1989 machte ich dann meinen Laden hier auf, da war an die Wende noch nicht zu denken.  Im Jahr des Einigungsvertrages hatte ich dann meine ersten Nachwende-Lehrlinge und erarbeitete mir schnell einen „schlechten Ruf“.

DHB: Wie das?

Monika Lange-Gohlke: Es sprach sich schnell rum: Mein Gott, ist die streng! Bei mir waren Lehrjahre eben auch keine Herrenjahre. Aber es waren nicht selten meine Lehrlinge, die die Goldmedaillen bei Wettbewerben abräumten. Und bald hieß es, wer von der Lange kommt, der hat eine Anstellung sicher. Nach der Wende war ich auch echt froh über mein Pädagogik-Studium?

DHB: Warum erst jetzt?

Monika Lange-Gohlke: Weil die Umgangsformen verfielen. Jetzt musste ich vielen meiner Azubis auch noch Benehmen und Respekt gegenüber den Kunden beibringen.

DHB: Jetzt übertreiben Sie aber!

Monika Lange-Gohlke: Ich bin noch immer Mitglied der Prüfungskommission. Da stehe ich also oft neben den Prüflingen und schaue zu. Eines Tages schaut mich eine angehende Gesellin bei der Prüfung immer wieder an, mustert mich von unten bis oben. Ich denke: habe ich mich bekleckert oder was? Und dann sagt sie plötzlich zu mir als Prüferin: Woll’n `se hier Wurzeln schlagen oder wat!?

DHB: Wie gingen Sie mit einem solchen Verhalten um?

Monika Lange-Gohlke (lacht): Ich hielt mich immer an eine Form von mütterlicher Strenge und Fairness. Ganz wichtig war mir, den jungen Menschen Sensibilität und Aufmerksamkeit dem Kunden gegenüber zu vermitteln. Da hatte ich meine ganz speziellen Methoden.

Welche?

Monika Lange-Gohlke: Ich ließ einen Stift fallen…

DHB: Sie ließen einen Stift fallen…?

Monika Lange-Gohlke: Ich wartete, dass einer der Lehrlinge ihn aufhob und sagte: Meisterin, sie haben etwas fallen gelassen. Zum Schluss hatte ich meine Azubis soweit – ich übertreibe jetzt ein wenig – dass der Stift schon gar nicht mehr auf den Boden fiel. Und neue Lehrlinge sich fragten: Was war das denn jetzt? Mir ging es nicht um den Stift, sondern darum, wie man sich etwa verhält, wenn einem Kunden etwas herunterfällt. Aufmerksamkeit, Höflichkeit, Respekt klingen ja in manchen jungen Ohren heute etwas „old school“. Das gehört meines Erachtens aber zu einer Berufsausbildung unabdingbar dazu. Und ich erinnere mich an manche Mutter, die zu mir kam und sagte: Was haben Sie mit meiner Tochter gemacht? Ich erkenne die ja gar nicht wieder.

DHB: Hat nur das Benehmen gelitten oder auch die Ausbildung?

Monika Lange-Gohlke (denkt lange nach): Ausbildung unterliegt immer einem Wandel. Das darf aber nicht dazu führen, dass Wandel ein Absenken der Standards bedeutet. Als Mitglied der Prüfungskommission beobachte ich, dass nicht wenige Azubis ihr Leistungsvermögen völlig überschätzen. Ich merke es daran, dass viele nicht mehr nach Perfektion streben. Dass man eine misslungene Frisur mit den Worten entschuldigt: War eben nicht mein Tag heute. Und es sind diese Menschen, die möglicherweise später selbst einmal Ausbilder werden. Da kommt dann eine Spirale in Gang, die sich nach unten und nicht nach oben dreht.  Aber nicht umsonst gibt es den Begriff Handwerkskunst. Er bezeichnet gewissermaßen die Grundlagen, die wahre Meisterschaft, die es einem möglich macht, in seinem Metier Trends zu setzen und dem Zeitgeist zu folgen. Neulich rief mich eine Frau aus Berlin an. Sie wollte eine handgelegte Wasserwelle.

DHB: …eine dieser berühmten Frisuren der Filmstars der 1920er Jahre…

Monika Lange-Gohlke: … ich sagte: Klar! Mache ich Ihnen! Nein, nein, insistierte die Frau: Sie! Haben! Mich! Nicht! Verstanden! Ich möchte eine handgelegte Wasserwelle! Wo ist das Problem, antwortete ich. Sie sagt: Ich habe in ganz Berlin herumtelefoniert. Nicht ein Friseur scheint diese Technik noch zu beherrschen. Wieso können Sie das!? Da oben!? In Boitzenburg!? Ich antwortete: Weil ich’s gelernt habe….

Interview: Mirko Schwanitz

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Salon Monika

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